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Saunameisterschaften & Saunaweltrekorde


Saunameisterschaften

Anfang August in Heinola, Finnland. Hochsommer, sofern davon 30 km nordöstlich von Lahti die Rede sein kann. Mehr als 150 Teilnehmer aus über 20 Ländern sind gekommen, um in einer Kabine in Reihe und Glied zu sitzen und gnadenlos zu schwitzen, oder besser: zu leiden. Stundenlang? Mitnichten! Im Finaldurchgang des umkämpften Turniers ist bereits nach wenigen Minuten alles vorüber. Sie sind hart im Nehmen, der neue Weltmeister und die neue Weltmeisterin in der Disziplin "Sauna Dauerbrenner", doch jeder Teilnehmer fühlt sich nach dem heißesten Sitz seines Lebens wie ein echter Gewinner. Dieser skurrile Wettkampf erfreut sich einer wachsenden Popularität: nicht nur, dass das Spektakel im finnischen Fernsehen ausgestrahlt wird, sogar in Japan wird die Veranstaltung übertragen: 40 Millionen (!) Fernsehzuschauer bewundern die Leistungsfähigkeit der Weltklasse Saunagänger.

Die Regeln der Veranstaltung sind einfach: wer es am längsten im heißen Kessel aushält, gewinnt. Die Sauna wird auf 110°C erhitzt, damit der Spaß beginnen kann. Nicht vergessen: das Wasser gibt bereits bei 100°C endgültig den festen Zustand auf. Der reine Wasseraufguss (in regelmäßigen Abständen von 30 Sekunden) macht die Bedingungen selbst für einen erfahrenen Saunisten unerträglich. Die Luftfeuchtigkeit steigt auf 100%, die Temperatur stetig bis 140°C. Bekleidet nur mit einer Badehose sitzen die Helden leicht nach vorne gebeugt, mit Ellenbogen auf den Knien und warten auf die Aufgabe der Konkurrenz. Es ist erlaubt, sich den Schweiß aus dem Gesicht zu wischen, nicht aber vom restlichen Körper, und es ist verboten, die Ohren mit den Händen zu schützen. Das Ergebnis zählt nur dann, wenn der Wettkämpfer aus eigener Kraft die Sauna verlässt. Für den Fall der Fälle steht ein Ambulanzfahrzeug bereit. Aus gutem Grund. Verbrennungen ersten Grades und Brandblasen am ganzen Körper sind für etliche Kandidaten an der Tagesordnung.

Die Übermacht der Finnen ist erdrückend, der Sieger hatte seit dem Beginn der Veranstaltung 1999 stets ein Heimspiel. Das verwundert nicht, denn auf 5,2 Millionen Finnen kommen 2 Millionen Saunen. Schwitzen gehört im Land der 1000 Seen zum Kulturgut, die jungen Finnen härten in regelmäßigen Saunasitzungen von klein auf ab. Der 5-fache Weltmeister Timo Kaukonen bereit sich mit bis zu 20 Sitzungen pro Tag auf die WM vor. Bis zu 10 Liter Flüssigkeit pro Tag trinkt er in der Vorbereitungszeit, alkoholische Getränke ausgenommen. Hinzu kommen Ausdauertrainingseinheiten, insbesondere Radfahren und Joggen. Im Wettkampf rast sein Herz mit 200 Schlägen pro Minute, das ist wahrlich Hochleistungssport!

In Deutschland wird die nationale Meisterschaft seit 2005 ausgetragen, in Stralsund an der Ostsee. Im internationalen Vergleich spielen die deutschen Saunasportler noch eher die dritte Geige, aber auch zwischen Westerland und Berchtesgaden mangelt es nicht an Saunaenthusiasten mit dem Ehrgeiz Timo Kaukonen im direkten Duell mächtig einzuheizen. Etwas feinfühliger gehen die Österreicher zu Werke: Sie küren bei der SaunaWM den "genussvollsten Saunaaufguss", den geschicktesten "Powerwachler" (Handtuchschwinger) und den "talentiertesten Saunameister" (siehe Homepage: www.sauna-wm.com).

In Österreich, genauer in Wörgl, Tirol, befindet sich auch die vermutlich größte Saunakabine der Welt. Sie ist 65 Quadratmeter groß und bietet für ca. 100 Besucher Platz. Die Skandinavier beeindruckt die Größe allein nicht, sie haben ausgefallenere Ideen parat. Auf der westschwedischen Insel Klädesholmen kann die schnellste schwimmende Sauna bewundert werden, die auf einen Katamaran gebaut wurde und die Spitzengeschwindigkeit von fast 30 Stundenkilometer erreicht. Die wohl spektakulärste Sauna befindet sich, wie kann es anders sein, in Finnland. Im Skigebiet Ylläs (Provinz Lappland) wurde an der großen Gondelbahn eine Saunagondel eingeweiht, die weltweit einzigartig ist. Sie ist aus Holz, baugleich mit den anderen Metallgondeln und bietet Platz für bis zu 4 Personen. Für die 15-minütige Fahrt von der Berg- zur Talstation und zurück kann der Saunagang in Badebekleidung erfolgen. Wärmeanzüge und der Feuerlöscher stehen aber stets griffbereit zur Verfügung. Das Gefühl eines exotischen Erlebnisses wird selbstverständlich gratis mitgeliefert.

Ein herrliches Abschwitzen bei Ihrem nächsten Saunabesuch, und wenn es auch "nur" in vertrauter Umgebung ist, wünsche ich Ihnen!




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